8.6 Inflation im Ausland

Gerade wenn wir Wechselkursveränderungen zwischen Entwicklungsländern untersuchen wollen, können die Unterschiede in den Inflationsraten eine große Rolle spielen. Zumeist haben Entwicklungsländer eine strukturell höhere Inflationsrate als Industrieländer (vgl. z.B. Balassa-Samuelson Effekt). Außerdem kommen Hoch- oder Hyperinflationsphasen und unerwartete Inflationsschübe (Schocks) in Entwicklungsländern viel häufiger vor.

In der unten stehenden Graphik lassen sich nun die Effekte eines solchen Inflationsschocks ablesen. Der Regler stellt dabei einen Idex für die Inflation im Ausland relativ zu der im Inland her. Hoch bedeutet dabei, dass die Inflation im Ausland höher ist als im Inland π > π. Niedrig bedeutet, dass die Inflation im Ausland geringer ist als im Inland π < π. Der Index bezeichnet dabei nicht ein Differenz in %, sondern ist eine nicht näher spezifizierte Skala.

Ist die Inflation im Ausland höher als im Inland, so sollte sich aufgrund der Kaufkraftparitätentheorie eine Aufwertung der heimischen Währung ergeben. Die Devisenmärkte reagieren sehr schnell und der Wechselkurs passt sich an das neue Gleichgewicht an, noch bevor die Gütermärkte oder Preise reagieren. Mitunter fällt die Reaktion der Devisenmärkte sogar so heftig aus, dass die Wechselkurse überschießen.

Eine drastische Änderung der ausländischen Preisniveaus, z.B. ein unerwarteter Inflationsschock oder gar Hyperinflation, lassen sich einfach durch verschieben der PPP-Geraden darstellen. Die PPP-Gerade ist eine Ursprungsgerade mit Steigung P, wie man an der Gleichung P = SP sieht. Die Einstellung kann man mit Hilfe des Schiebers vornehmen, wobei der ”Inflationsindex Ausland” nicht in % gemessen wird, sondern als qualitativer Indikator dient. Steigt P durch Inflation im Ausland, so wird die Kurve steiler. Das alte Gleichgewicht liegt nun im unteren Bereich, in dem die heimisch Wirtschaft Wettbewerbsvorteile hat. Da der Wechselkurs aber sehr schnell reagiert, passt er sich an das neue Gleichgewicht an, bevor reale Effekte entstehen. Es treten höchstens temporäre Ungleichgewichte oder eine kurzfristige Überreaktion des Wechselkurses auf.


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Prof. Dr. Christian Bauer, Lehrstuhl für monetäre Ökonomik, Universität Trier, D-54296 Trier, E-mail: bauer@uni-trier.de