9.1 Grundlagen und Annahmen

Im Kern des Mundell-Fleming Modells steht das Zahlungsbilanzgleichgewicht (BoP), d.h. die ex post Gleichheit, nach der jede internationale Gütertransaktion bezahlt werden muss. Dabei steht BoP für Balance of Payments. Wenn Waren oder Dienstleistungen ex- oder importiert werden, so wird dies in der Leistungsbilanz verbucht. Zahlungen werden in der Kapitalbilanz verbucht. Die Summe aus beiden nennt man Zahlungsbilanz und diese muss (abgesehen von Ausgleichsposten, s.u.) ausgeglichen sein, da jede Transaktion durch die beiden Seiten ”Lieferung” und ”Zahlung” (dies kann auch eine Schuld oder Kredit sein sein) verbucht werden.

Bei flexiblen Wechselkursen erfolgt der Ausgleich der Handelsbilanz gewissermaßen automatisch. Auf dem Devisenmarkt ist bei einem Handelsbilanzüberschuss das Angebot an ausländischer Währung größer als die Nachfrage. Die inländische Währung wertet auf. Mit dem Anstieg des Außenwertes der Inlandswährung werden inländische Waren im Ausland teurer. Die Exporte sinken, das inländische Wachstum wird beeinträchtigt. Gleichzeitig werden jedoch die Einfuhren günstiger. Rückläufige Einfuhrpreise wirken mäßigend auf die inländische Preissteigerungsrate und unterstützen damit die wirtschaftliche Entwicklung.

Die USA haben seit Anfang der neunziger Jahre ein beträchtliches Leistungsbilanzdefizit. Trotz flexibler Wechselkurse findet kein ausreichender Ausgleich über den Devisenmarkt statt. Entgegen der Lehrbuchweisheit hat der Dollar langfristig nicht abgewertet. Offensichtlich waren andere Einflussfaktoren auf den Wechselkurs bedeutsamer, womit jedoch bisher kein Ausgleich des Leistungsbilanzdefizits erfolgte.

Im Mundell-Fleming Modell wird der Zusammenhang von Wechselkurs und BoP Gleichgewicht über die Reaktionen des internationalen Kapitalmarktes und der realen Wettbewerbsfähigkeit eines Landes gesteuert. Dabei ist die REaktionsfähigkeit (Zinssemielastizität) der internationalen Anleger endlich, d.h. Zinsunterschiede führen zu begrenzten Kapitaltransfers. Der Wechselkurs passt sich nun so an, dass der Wert der Zuflüsse in ausländischer Währung multipliziert mit dem Wechselkurs dem Wert der Abflüsse entspricht. Exportüberschüsse stellen somit eine erhöhte Nachfrage nach der heimischen Währung dar und führen somit zu einem Aufwertungsdruck.


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Prof. Dr. Christian Bauer, Lehrstuhl für monetäre Ökonomik, Universität Trier, D-54296 Trier, E-mail: bauer@uni-trier.de