9.12 Fiskalpolitik bei fixen Wechselkursen

Fixe Wechselkurse schränken, wie wir oben gesehen haben, die Möglichkeiten der Geldpolitik stark ein. Die Geldpolitik kann letzlich nur auf Schocks und Veränderungen reagieren. Im Falle fiskalpolitischer Schocks führt dies zu einem erheblichen Multiplikatoreffekt beim Wirtschaftswachstum. Die unten stehende Graphik verdeutlicht dies.

Expansive Fiskalpolitik

Werden die Staatsausgaben von G0 auf G1 erhöht, Schieberegler nach rechts, so verschiebt sich die IS-Kurve nach rechts. Das neue ISLM Gleichgewicht GGZ mit höheren Zinsen und höherem BIP (y0 steigt auf yZ und r0 auf rZ) stellt sich auf dem heimischen Gütermarkt ein. Das gestiegene Einkommen führt allerdings zu steigenden Importen und somit einer negativen Leistungsbilanz (fiktiver Punkt B im 3. Quadranten). Dadurch verschiebt sich die FF-Kurve nach oben und es ergibt sich ein Ungleichgewicht am Devisenmarkt: Beim fixen Wechselkurs S¯ müssten die Zinsen auf bis zum Punkt A im 4. Quadranten ansteigen, um das Leistungsbilanzdefizit auszugleichen. Tatsächlich sind sie ja aber aufgrund der expansiven Fiskalpolitik sogar bis auf rZ (Punkt C) gestiegen. Leistungs- und Kapitalbilanz entwickeln sich zwar gleichgerichtet, jedoch verbleibt eine Zinslücke zwischen Punkt A und Punkt C, die eine positive Zahlungsbilanz repräsentiert (K(rZ) > B(yZ,S0)). Dieses Ungleichgewicht wird auch dadurch ersichtlich, dass in dieser Situation die BP(S0) Linie nicht durch das heimische Gütermarktgleichgewicht verläuft. Die Zinslücke impliziert einen Aufwertungsdruck, dem die Notenbank entgegenwirken muss, indem sie die Geldmenge auf M1 erhöht. Dadurch verschiebt sich die LM-Kurve nach rechts und die Zinsen sinken wieder etwas, während das BIP weiter steigt.

Fazit: Die expansive Fiskalpolitik bewirkt eine Aufwertung der Währung, welche über eine Steigerung der Importe den Wachstumsimpuls dämpft und den Zinsimpuls abschwächt. Ein Teil der Staatsnachfrage wird also durch das Ausland befriedigt und kann nicht wachstumsfördernd wirken.

Die Gewinne aus dem Drucken des neuen Geldes fließen als sogenannte Seignoragegewinne an die Regierung. Diese erfährt somit doppelte positive Effekte: die Wirtschaft wächst und sie erhält zusätzliche Milliarden an Steuern und Seignoragegewinnen. Man nennt dies akkomodierende Geldpolitik, da die Geldpolitik die fiskalpolitischen Maßnahmen unterstützt und verstärkt, obwohl dies eigentlich gar nicht das formale Ziel der Geldpolitik ist, sondern der fixe Wechselkurs.

Rezession und Akkomodierende Geldpolitik

Im Fall einer Rezession gilt natürlich das Gegenteil: Um eine Abwertung als Folge von Sparmaßnahmen zu verhindern, muss die Notenbank eine restriktive Geldpolitik durchführen, d.h. die Geldmenge reduzieren.Es entsteht ein doppelt negativer Effekt: neben der Rezession entfallen potentielle Senioragegewinne, da die Reduktion der Geldmenge die Gewinne der Notenbank verringert und die Reduzierung der Geldmenge verstärkt die Rezession weiter.


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Prof. Dr. Christian Bauer, Lehrstuhl für monetäre Ökonomik, Universität Trier, D-54296 Trier, E-mail: bauer@uni-trier.de